Interview mit Wolfgang Lohbeck
Prominentes Kriegsopfer ist grün
06.11.09 08:00 Uhr | In Folge von bewaffneten Konflikten wird die Umwelt zum Teil sehr stark geschädigt. Die UNO hat deshalb im Jahr 2001 den 6. November zum „Internationalen Tag für die Verhütung der Ausbeutung der Umwelt in Kriegen und bewaffneten Konflikten“ ausgerufen.
Durch Feuer, Minen und schweres Gerät wird der Natur in Krisengebieten sehr zugesetzt. Quelle:Wikipedia, Foto:Jonas Jordan
Die Bilder aus Afghanistan von verwundeten Soldaten und Zivilisten sind allseits bekannt, aber Bilder der Flora und Fauna, die in Folge des Waffeneinsatzes zerstört oder geschädigt wurde, bleiben meist verborgen. Dabei werden gerade in Krisengebieten die Ökosysteme und natürlichen Ressourcen teilweise wissentlich nachhaltig zerstört. Die UNO versucht, mit ihrem Gedenktag diese Opfer des Krieges ein wenig mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Zu diesem Thema sprach Wolfgang Lohbeck von Greenpeace mit medien-mittweida.de.

Wie schätzen Sie die Schäden der Umwelt in den aktuellen Krisenregionen ein?

Die Umweltzerstörungen infolge von Kriegen und Konflikten ist an allen Schauplätzen dramatisch. Die direkten und mittelbaren Umweltfolgen von Kriegen sind allumfassend in dem Sinne, dass Krieg sowohl direkte Zerstörungen durch Kampfhandlungen verursacht wie auch mittelbare Folgen, etwa infolge zerstörter Infrastruktur, und durch seine zerstörerischen und langfristig wirksamen Hinterlassenschaften. Im Irak etwa sind riesige Ackerflächen und andere Flächen unbenutzbar infolge Verminung, aber auch durch Verseuchung mit sogenanntem "Abgereicherten Uran",  das gleiche gilt für die Kriegsschauplätze im früheren Jugoslawien. Nahezu überall sind Infrastrukturen absichtlich oder als "Kollateralschaden" zerstört worden mit der Folge, dass Giftstoffe aus Deponien, Aufbereitungsanlagen etc. massenhaft in Flüsse und Landschaft versickerten oder dort entsorgt wurden, und dass Böden infolgedessen langfristig kontaminiert sind.

Welche nachhaltigen Folgen hat die Zerstörung der Umwelt in Krisengebieten?

Ein Großteil der Pestizidverseuchten Böden ist auf unabsehbare Zeit, oder endgültig, nicht mehr nutzbar. Das gleiche gilt für entwaldete und erodierte Flächen, oder vernichtete Oliven- oder Pistazienwälder, letztere waren etwa in Afghanistan ein wesentlicher Bestandteil der lokalen Wirtschaft, der fast vollkommen zerstört wurde. Nachhaltig ist natürlich auch das Vorhandensein riesiger ungesicherter Giftstoffe in Deponien oder dort, wo selbige abgelagert und hingebracht wurden, etwa in ausgetrockneten Flussläufen. Viele der Folgen sind derzeit noch gar nicht sichtbar oder die Auswirkungen, etwa Erkrankungen als Spätfolge, noch gar nicht erkennbar oder überschaubar.

Wie sehen Sie den Gedenktag der UNO und was muss für die Umwelt getan werden?


Den Gedenktag der UNO sehen wir mit eher zwiespältigen Gefühlen. Einerseits ist es gut, dass neben den "prominenteren" Opfern des Krieges auch die Umwelt ins Blickfeld rückt und dadurch klarer wird, dass die Kriegsfolgen nicht mit der Beendigung von Kampfhandlungen ausgestanden sind. Andererseits wäre es wichtiger, wenn sich die UNO zu einem völkerrechtlich verbindlichen Schutz der Umwelt im bewaffneten Konflikt durchringen könnte, anstatt es bei mehr oder weniger folgenlosen Appellen zu belassen. Die UN sollte in der Tradition des humanitären Völkerrechts eine "Fünfte Genfer Konvention zum Schutz der Umwelt im bewaffneten Konflikt" erarbeiten, da das Zusatzprotokoll 1 zur Genfer Konvention den Komplex Umwelt nur am Rande mit einem einzigen Artikel behandelt und völlig zahn- und wirkungslos ist.
Ressort: Panorama | Themen: Politik, Vermischtes
Kristin Damm
Über den Autor:
Name:
Kristin Damm
Studiengang:
Medientechnik 2008


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