Sozialtickets in ostdeutschen Städten
Günstiger quer durch Leipzig
13.11.09 08:00 Uhr | Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise ist der deutsche Sozialstaat härter denn je gefordert, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Armut und Ausgrenzung muss entgegengewirkt werden. Die Einführung von Sozialtickets soll dazu beitragen.
Günstig durch die Stadt. Quelle: flickr.com, Foto: leguan001
In vielen Städten der Bundesrepublik gibt es sie bereits: die Sozialtickets für Arbeitslose und Menschen mit geringem Einkommen. Seit August 2009 hat nun auch Leipzig die Leipzig-Pass-Mobilcard eingeführt. Ein Beispiel nahmen sich die Initiatoren an Großstädten wie Berlin, Köln oder Dortmund, wo ähnliche Aktionen schon vor einigen Jahren erfolgreich ins Leben gerufen wurden und durchaus positiv aufgenommen.

"Mobilität ist eine wesentliche Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben", begründet Sozialbürgermeister Prof. Fabian die Aktion. "Die Leipzig-Pass-Mobilcard ist ein Angebot, das den sozialen Zusammenhalt in der Stadt stärken soll." Menschen aus allen Gesellschaftsschichten soll ermöglicht werden, mit Bus und Bahn zu öffentlichen Einrichtungen zu gelangen. Keinem Bürger könne der Kinobesuch oder die Mitgliedschaft in einem Verein versagt bleiben, bloß weil ihm das Geld für ein Verkehrsmittel nicht zur Verfügung steht.

Mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben

Obwohl die Landesdirektion Leipzig das Projekt aufgrund des Haushaltsdefizites der Stadt 2008 gestoppt hatte, kämpfte die Bürgerinitiative "Leipzig braucht ein Sozialticket" fast zwei Jahre lang mit verschiedenen Veranstaltungen und einer groß angelegten Unterschriftensammlung für die Monatskarte. Mit diesem Ticket ist die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel für 26 Euro, also für die Hälfte des eigentlichen Preises, im gesamten Stadtgebiet täglich rund um die Uhr möglich. Gründe für das Engagement der Initiative waren vor allem die zunehmende Mobilitätsarmut der Bevölkerung und die positiven Erfahrungsberichte anderer Städte. Im Februar dieses Jahres beschloss der Stadtrat entgegen allen Widerstands, das Sozialticket für zwei Jahre auf
Probe einzuführen.

Positive Bilanz gezogen

Im Oktober wurde nun von den Organisatoren eine erste Bilanz gezogen: Das Angebot sei durchweg gut von den Bürgern angenommen worden. Schon zum Verkaufsstart im Mai 2009 überraschte der Andrang der Anspruchsberechtigten, sagt Frau Weißfuß, Sprecherin der Bürgerinitiative "Leipzig braucht ein Sozialticket". Von den circa 80.000 Nutzungsberechtigten kauften bereits im August 10.300 Menschen ein Sozialticket. Im letzten Monat ist die Zahl der ausgegebenen Tickets für Bus und Bahn auf 14.000 gestiegen. Bis zum Jahresende erhoffen sich Rathaus und Leipziger Verkehrsbetriebe 20.000 verkaufte Monatskarten. Eine Werbekampagne soll zusätzlich das Sozialticket bei den Bürgern bekannter machen.

Für das Sozialticket stehen im nächsten Jahr voraussichtlich etwa 1,5 Millionen Euro aus der Stadtkasse zur Verfügung. Nach einer eingehenden Evaluation wird dann entschieden, ob das Projekt weitergeführt werden kann. Nach Aussage von Frau Weißfuß zeigen Beispiele aus anderen Städten, dass es Mehreinnahmen durch höhere "Kundenzahlen" gebe. Außerdem müssten die Kosten nicht allein durch die ohnehin finanziell geschwächten Kommunen getragen werden, sondern vor allem durch die Länder und die Verkehrsverbände. Es sei eine politische Entscheidung im Sinne der Daseinsvorsorge, für alle Bürger Mobilität zu gewährleisten.

Inzwischen gibt es in Sachsen zahlreiche weitere Initiativen für die Einführung von ähnlichen Projekten. Besonders in Dresden zeigen sich erste Erfolge und neuerdings werden auch in Chemnitz die Diskussionen aufgenommen. Die Erfahrungen aus Leipzig sind auch bundesweit Vorbild, zum Beispiel in Frankfurt/Main oder in Halle/Saale.

Weitere Informationen zum Sozialticket in Leipzig unter: www.leipzig.de oder www.lvb.de.
Ressort: Panorama | Themen: Vermischtes
Franziska Krummel
Über den Autor:
Name:
Franziska Krummel
Studiengang:
Medienmanagement 2009


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