Studium im Katastrophengebiet
Datum: 09.10.09 - Ort: Manila / Philippinen - Fotograf: privat

Mit Stürmen in der Regensaison mussten die Studenten der Hochschule Mittweida rechnen, als sie sich für ein Auslandssemester auf den Philippinen entschieden. Doch die Taifune der vergangenen Wochen übertrafen alle Befürchtungen. Zum Glück sind alle Studenten wohlauf.

Die Philippinen kommen einfach nicht zur Ruhe: Am 25. September richtete der Taifun "Ondoy", in den internationalen Medien "Ketsana" genannt, in der Hauptstadt Manila und der umliegenden Region verheerende Schäden an. Bei den schlimmsten Überschwemmungen seit über 40 Jahren kamen mehr als 240 Menschen ums Leben, rund 400.000 wurden obdachlos. Nur eine Woche später wütete der Wirbelsturm "Parma" im Norden des Inselstaates, begleitet von heftigen Regenfällen. Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 210 Kilometer pro Stunde entwurzelten Bäume und rissen Dächer von den Häusern. Am Donnerstag schließlich wurde aufgrund einer schweren Erdbebenserie im Südpazifik erneut Tsunami-Alarm ausgelöst, dieser konnte jedoch wenige Stunden später wieder aufgehoben werden.

Die immer neuen Katastrophen-Nachrichten aus Südostasien alarmieren die Mitarbeiter der Hochschule Mittweida. Mehrere Studenten verbringen derzeit ihr Auslandssemester auf den Philippinen. Marion Dienerowitz vom Akademischen Auslandsamt nahm sofort Kontakt zu den Ämtern der entsprechenden Hochschulen auf: "Uns wurde mehrfach versichert, dass alle Gaststudenten wohlauf sind. Die Mitarbeiter des Auslandsamts der Ateneo de Manila University beispielsweise haben unmittelbar nach dem ersten Taifun jeden einzelnen Studenten angerufen, um sich zu versichern, dass alle sicher und unversehrt sind." Medientechnikstudentin Nadine Kröhnert ist seit Mitte August in Manila und schreibt dort ihre Bachelorarbeit. Sie berichtet medien-mittweida.de: "Es gab viele Sondereinsätze, Schulen und Universitäten wurden geschlossen. Die Ateneo de Manila University ist hoch gelegen und blieb deshalb von den Überschwemmungen verschont. Zurzeit wird hier wieder normal studiert."

Auch Medienmanagementstudent David Lochner ist seit Anfang September auf den Philippinen. Er studiert im fünften Semester und lebt im Stadtteil "Malate" der Hauptstadt Manila. Im Interview mit medien-mittweida.de berichtet er, wie er den Sturm erlebt hat.

David, wo warst du, als der Tropensturm "Ondoy" auf die Philippinen traf und wie hast du die Naturkatastrophe erlebt?

Als der Sturm kam, war ich im Süden des Landes. Innerhalb von wenigen Stunden waren die Straßen voller Wasser und hatten sich zu teilweise reißenden Strömen entwickelt. Die Busfahrer weigerten sich, weiterzufahren. Doch ich musste zurück nach Manila. Also bin ich jedes Mal zu Fuß durchs Wasser gewatet, wenn eine Straße für den Bus unpassierbar war. Der Wasserstand auf dem Land war sehr hoch, so dass viele Filipinos ihre Häuser verlassen mussten. Viele hatten nicht mit einem so heftigen Regensturm gerechnet. Es ist sagenhaft, was die Natur für eine Macht hat, viel mehr als man sich vorstellen kann. Sie hat teilweise ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. In Manila war unser Wohnhaus überflutet, so dass ich in die Wohnung durchs Wasser waten musste.

Wie lange vorher wussten die Bewohner in der Region von dem herannahenden Sturm und wie haben sie sich vorbereitet?

Man hat mit einem Taifun gerechnet, allerdings nicht in diesem heftigen Ausmaß. Es gibt jedes Jahr eine Regensaison, auf die sich die Leute einstellen. Aber das hier war eindeutig zu viel.

Wie gehen die Menschen in der Region mit der Situation um?

Das Schlimmste ist bereits vorbei. Es gibt jede Menge Hilfslager für Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. In unserer Universität ist auch ein solches Hilfslager. Im Fernsehen gibt es einen Kanal, der andauernd über Neuigkeiten berichtet. Die Supermärkte waren teilweise leer, weil alle Leute Proviant für fünf Tage eingekauft hatten. Aber ich glaube, die Menschen in den Slums hat es am heftigsten getroffen. Ihre Hütten sind unter den Fluten weggespült worden. Viele Menschen sind gestorben. Ich denke, dass viele Filipinos sich mit der Situation arrangieren können. Hier spricht man schon gar nicht mehr über den Taifun. Die Spuren der Verwüstung sieht man hauptsächlich auf dem Land.

Warum hast du dir für dein Auslandssemester die Philippinen ausgesucht?

Ich habe mich für die Philippinen entschieden, weil ich allgemein ein sehr hohes Interesse am asiatischen Kontinent habe. Die meisten Studenten gehen alle in die gleichen Länder, wie Amerika, England, Frankreich. Ich will etwas erleben, das wirklich "anders" ist. Ich finde, man sollte immer seinen eigenen Weg gehen und nicht Wege, die schon tausendmal gegangen sind.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview und Redaktion: Jan Holubek


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